Dieser Garten ist ein leeres Papier
Freitag Januar 16th 2015, 21:18
Filed under: Holändische Ansichten

Dieser Garten ist ein leeres Papier. Man tritt hinein und schreibend erkundet man den Weg. Man beschreitet den Pfad mit Kieselsteinen, beschreibt die Aussicht auf dem Weg. Dieser mag grün sein, der Himmel blau, einige wenige verwehte Wolken. Dann sieht man das Gras, erkennt die Sträucher, die Baumgruppe mit den grilligen Ästen. Nun befindet man sich in einer Landschaft, in einer Dünenlandschaft zum Beispiel. Viel Sand. Landeinwärts eine hügelige Graslandschaft unter einem prächtigen Himmelsgewölbe. Der Wind weht immer neue Muster in das Gras. Danach eine Steppenlandschaft mit einsam stehenden Bäumen wie Elefanten, die an Afrika denken lassen. Später, die versteiften Dünen sind verlandet, beschreibe ich ein Wald. Nicht mehr das lichte Loo, ein dichter Mischwald mit Buchen, Föhren und Birken ist es. Ein kleiner See befindet sich im Wald, die Bäume an der andern Seite und der Himmel spiegeln sich im Wasser, dessen Fläche vom Wind und den meistens anwesenden Enten nie ruhig ist. An kalten Wintertagen ist der See gefroren. Der Wald – unterm Schnee – verharrt in gespannter Stille, bis, mit unscheinbarem Begin, dann immer kräftiger hin zur gewaltigen Blumenprachtsexplosion der Frühling einzieht. Der ausgelassene Sommer – wird vom Herbst abgelöst. Schwaden dichten Nebels durchziehen den Wald.

Plötzlich ein heller Aufschrei im Wald. Durch den dichten Nebel sind bloss die Konturen erkennbar: ein Reh bellt im düsteren und unheimlich gewordenen Wald. Im Sommer steht ein Rind mitten im Wasser. Ein junger Fuchs ist neugieriger als ängstlich. Kaninchen gibt es viele, aber Hasen? Minutenlang ist sich der Hase meiner nicht bewusst. Das Röhren der Hirsche im Herbst. Die Nachtigall, die so nah vor uns am Singen ist. Das blaue Aufblitzen eines Eisvogels. Auf dem Wasser das synchrone landen der beiden Schwäne. Der schmetternde Gesang der Buchfinken.

Ich wandere durch die Landschaft und bin ein Teil davon.

 

 





     
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